KI verändert Flight Levels
KI verändert grundlegend, wie wir arbeiten: welche Aufgaben Menschen übernehmen, was sich automatisieren lässt und wie Menschen, Teams und KI-Agenten zusammenarbeiten. Damit entstehen neue Möglichkeiten für die Wertschöpfung. Man muss jedoch ein, zwei Hirnzellen dafür verwenden, um herauszufinden, wie man diese neuen Möglichkeiten auch systemisch nutzbar macht. Und ein ChatGPT-Abo reicht dafür nicht aus.
Die älteren… ähm… erfahrenen LeserInnen, die sich noch an das Aufkommen des Internets erinnern können, werden gewisse Parallelen erkennen: Wer seinen Produktkatalog ins Netz stellte, hatte damit noch kein funktionierendes Online-Business. Dafür musste sich auch verändern, wie Bestellungen bearbeitet, Zahlungen abgewickelt und Produkte ausgeliefert werden. Die Technologie eröffnete Möglichkeiten. Aber ohne fundamentale Änderungen des Gesamtsystems konnte man diese neuen Möglichkeiten nicht nutzbar machen.
Genau vor dieser Aufgabe stehen wir mit KI heute. Derzeit fühlt es sich so an, als würden Unternehmen KI wie Raumduft in alle Ecken der Organisation versprühen und das dann als “KI-Transformation” feiern. Jetzt waren bald alle Mitarbeiter bei einer AI-Schulung - jetzt kann nichts mehr schiefgehen.
Yes, bin dabei, dass sich Aufgaben mit KI erheblich beschleunigen lassen. Ich feiere meine KI-Performance-Heldentaten auch jeden Tag. Ob dadurch beim Kunden früher ein besseres Ergebnis ankommt, hängt aber davon ab, wie die Arbeit insgesamt zusammenspielt. Ein Angebot kann in Minuten fertig sein und anschließend trotzdem zehn Tage auf seine Freigabe warten.
Damit berührt KI den Kern von Flight Levels. Wir beschäftigen uns damit, wie aus den Beiträgen vieler Beteiligter wirksame Wertschöpfung entsteht. Je mehr Möglichkeiten wir haben, einzelne Aufgaben zu verbessern, desto wichtiger wird es, das Zusammenspiel zu gestalten. Deshalb gewinnt Flight Levels durch KI extrem an Relevanz.
Mehr geschafft und trotzdem nichts gewonnen
Schauen wir uns mal ein sehr simples Beispiel an: Mit KI lässt sich ein Angebot für einen Auftrag in zwei Stunden erstellen. Früher brauchte jemand dafür zwei Tage. Das ist schon eine sehr geschmeidige Verbesserung, überhaupt keine Frage.
Leider fermentiert dann das Angebot zehn Tage vor sich hin, bis es jemand freigibt. Die Kundin bekommt das Angebot im besten Fall ein bisschen früher - der große Teil der Wartezeit bleibt aber bestehen. Da das Erstellen von Angeboten jetzt aber nur so flutscht, werden noch mehr Angebote erstellt. Mit dem Effekt, dass die Warteschlange vor der Freigabe weiter wächst und die Arbeit im Gesamtsystem (WIP) erhöht wird. Mehr Arbeit im Gesamtsystem bedeutet, dass im Schnitt Arbeit langsamer fertig wird - Dr. Little lässt grüßen.
Die KI hat in diesem Beispiel getan, was sie sollte. Die Organisation hat nur noch keine Antwort darauf, wie sie mit der zusätzlichen Leistungsfähigkeit umgehen will.
Genau mit solchen Zusammenhängen beschäftigen wir uns bei Flight Levels: Lokale Verbesserungen führen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen im Gesamtsystem. Meistens führt lokale Optimierung sogar zu globaler Suboptimierung.
Je einfacher lokale Verbesserung wird, desto wichtiger wird es, ihre Wirkung auf die gesamte Wertschöpfung zu verstehen.
Darin liegt für mich ein wesentlicher Teil der Zukunft von Flight Levels. Die Technologie eröffnet neue Möglichkeiten. Wir müssen unser Verständnis davon weiterentwickeln, wie diese Möglichkeiten zu gemeinsamen Ergebnissen beitragen. Und das tun wir auch im Flight-Levels-Land. Hier zwei kleine Beispiele.
Flight Level 1 und die Auswirkung auf die Flight Levels System-Architektur (FLSA)
Wenn wir über Flight Level 1 sprechen, denken wir häufig an Teams. Das ist naheliegend, weil viel operative Arbeit in Teams organisiert ist. Für die Gestaltung der Wertschöpfung interessiert uns allerdings zunächst, welche Arbeit erledigt wird und wie sie mit anderer Arbeit zusammenhängt.
Ein Beitrag kann von einem Team kommen, von einer einzelnen Spezialistin oder von einem KI-Agenten, der innerhalb definierter Grenzen Aufgaben übernimmt. Auch Kombinationen daraus sind möglich: Eine KI bereitet etwas vor, ein Mensch beurteilt das Ergebnis und ein Team arbeitet damit weiter.
Ich verwende dafür vorläufig den Begriff „operative Akteure“. Der klingt ein wenig nach Theaterbühne, beschreibt aber trotzdem die Idee recht gut: Wir nehmen diejenigen Akteure in den Blick, die tatsächlich zur operativen Arbeit beitragen.
Das bedeutet nicht, dass Menschen und KI gleichzusetzen wären. Gerade bei KI müssen wir klären, welche Aufgaben sie übernehmen darf, welche Entscheidungen Menschen treffen und wer für Ergebnisse und Folgen verantwortlich bleibt.
Für die Flight Levels System-Architektur (FLSA) heißt das: Unser Blick auf die operative Arbeit muss diese unterschiedlichen Konstellationen erfassen können. Wer im Flight Level 1 nur an Teams denkt, übersieht möglicherweise einen wesentlichen Teil der Arbeit.
Flight Level 2 und das Zusammenspiel von Menschen und KI
Auf Flight Level 2 wird die neue Sichtweise besonders konkret. Hier betrachten wir, wie Arbeit über die beteiligten operativen Akteure hinweg zu einem Ergebnis führt.
Stellen wir uns vor, ein KI-Agent analysiert Kundenanfragen und bereitet Lösungsvorschläge vor. Eine Spezialistin prüft kritische Fälle. Zwei Teams setzen die notwendigen Änderungen um. Ein weiterer Bereich entscheidet über die Freigabe.
Jetzt reicht es wenig, für jede dieser Aktivitäten einzeln festzustellen, dass sie produktiver geworden ist. Wir müssen verstehen, wie die Arbeit zwischen ihnen fließt. Wann ist ein Vorschlag gut genug, um weiterbearbeitet zu werden? Was passiert bei Unsicherheit? Wie viel kann die Spezialistin prüfen? Und woran erkennt der Agent, dass er gerade mehr Arbeit vorbereitet, als danach verarbeitet werden kann?
Solche Fragen gehören in die Gestaltung des Flight Level 2 Flows. Genau daran arbeiten wir im Flight Level 2 Design. KI-Agenten bekommen dabei keine Sonderwelt neben der eigentlichen Organisation. Ihre Beiträge, Grenzen und Übergaben müssen genauso sichtbar werden wie andere relevante Teile der Wertschöpfung.
Das ist auch die Richtung, in die wir die Arbeit in unseren Flight-Levels-Workshops weiterentwickeln wollen: Wenn KI operative Aufgaben übernimmt, denken wir sie bei der Gestaltung der Zusammenarbeit mit.
Die Zukunft von Flight Levels beginnt bei der veränderten Arbeit
KI ist für Flight Levels ein Anlass, genauer hinzuschauen und das eigene Denken weiterzuentwickeln. Operative Arbeit kann anders verteilt werden. Abhängigkeiten verändern sich. Neue Möglichkeiten entstehen, während bisherige Engpässe bestehen bleiben oder neue auftauchen.
Die Frage nach wirksamer Zusammenarbeit gewinnt dadurch noch viel mehr an Bedeutung. Wenn immer mehr Menschen und Systeme immer schneller einzelne Beiträge liefern können, brauchen wir ein klares Verständnis davon, wie daraus Ergebnisse entstehen, die für Kunden wirksam sind.
So wird aus „Wir machen jetzt auch KI“ eine bewusste Gestaltung der Wertschöpfung.
Wer diese Zusammenhänge an der eigenen Organisation bearbeiten möchte, hat in unseren Flight-Levels-Trainings eine super Gelegenheit dafür. Wir arbeiten immer “am lebenden Objekt” - soll heißen, wir arbeiten an konkreten Arbeitskontexten der Teilnehmenden und bringen somit die Theorie bereits im Training in die Umsetzung, was das Training zu einem effektiven Workshop macht.
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